Der erste Mittwoch im April ist der bedeutendste Identitätsmarker des ezidischen Volkes. Er wird als das denkwürdigste Ereignis und der Kern des Ezidentums beschrieben.

Für eine Gemeinschaft, die im Laufe der Geschichte 74 Genozide (Ferman) erleiden musste, ist dieses Fest ein Akt des kulturellen Widerstands und des Überlebens.

74 Genozide — und doch gefeiert

Die Zahl 74 hat sich tief im kollektiven Gedächtnis der Eziden verankert — allein in der osmanischen Zeit fanden über 160 Genozide statt.

Gipfelpunkt war der verheerende Genozid durch den IS im August 2014, bei dem über 5.000 Menschen getötet, etwa 500.000 vertrieben und über 7.000 Frauen und Kinder entführt und versklavt wurden. Vor diesem Hintergrund ist die fortdauernde Feier des ersten Mittwochs im April weit mehr als Tradition — sie ist ein Zeichen der Selbstbehauptung.

74

Ferman

Genozide in der ezidischen Geschichte — allein in der osmanischen Zeit fanden über 160 Verfolgungen statt.

5.000+

Getötete (2014)

Opfer des IS-Genozids im August 2014 in der Region Shingal (Sinjar).

7.000+

Verschleppt

Frauen und Kinder, die 2014 durch den IS entführt und versklavt wurden. 1.300 ezidische Kinder gelten bis heute als vermisst.

Ezidische Gemeinschaft bei den Feierlichkeiten
Ezidische Gemeinschaft bei den Feierlichkeiten · © Aslan Kizilhan

Bewahrung durch lebendige Hymnen

Als historisch mündliche Religion wurde ezidisches Sakralwissen durch erbliche religiöse Kasten übertragen, insbesondere die Qewals (heilige Minnesänger). Die während des ersten Mittwochs im April aufgeführten Rituale und Hymnen dienen als lebendige Träger zur Bewahrung religiösen Wissens über Generationen hinweg.

Die heilige Hymne Qewlê Çarşeme und andere während des Festes rezitierte Qewls kodieren theologisches Wissen in musikalischer Form.

Alle Schichten der ezidischen Gesellschaft

Das Fest bringt alle Schichten der ezidischen Gesellschaft zusammen — den Mir als Oberhaupt der Eziden, die drei Kasten (Sheikh, Pir und Murid), religiöse Führer (Baba Sheikh, Baba Chawish, Peshimam, Qewals) und gewöhnliche Gläubige.

In gemeinsamen Ritualen, die soziale Bindungen und gemeinschaftliche Identität stärken, wird der Austausch von Essen (Sah-Wak-Brot), die gemeinsamen Mahlzeiten auf Friedhöfen und die gegenseitigen Hausbesuche zu Netzwerken der Solidarität.