Trotz der Verwüstung durch den Genozid von 2014 — bei dem mindestens 20 historische ezidische Gebetsstätten um Duhok, Mossul und Sinjar zerstört wurden — wird der erste Mittwoch im April weiterhin mit großer Entschlossenheit gefeiert.
Gemeinden in Shekhan, Sinjar (Shengal) und in der gesamten Region Kurdistan versammeln sich in Lalish und lokalen Tempeln. Über 200.000 Eziden leben weiterhin in Flüchtlingslagern, doch viele unternehmen die Reise nach Lalish für das Fest.
Im Irak und in Kurdistan
Ein Zeichen der Selbstbehauptung
Das Festhalten am Ritual trotz massivster Traumata ist mehr als Brauchtum: Es ist eine kollektive Erklärung, dass die ezidische Religion, Kultur und Identität fortbestehen. Jedes entzündete Licht an diesem Abend ist ein Akt des Widerstands.
In der Diaspora
Weltweite Gemeinschaften
Deutschland beherbergt die größte ezidische Diaspora außerhalb des Iraks mit ca. 100.000–200.000 Eziden. Weitere bedeutende Gemeinden bestehen in Armenien (~60.000), Russland (~40.000), Georgien (~20.000), Schweden, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Australien, Kanada und den USA.
Diaspora-Gemeinden pflegen die Traditionen durch Organisation von Gemeinschaftsversammlungen in Kulturzentren und Veranstaltungshallen, Zubereitung traditioneller Speisen (gefärbte Eier, Sawuk-Brot, Kulice), Tragen traditioneller Kleidung, Aufführung traditioneller Musik und Tänze. Viele Diaspora-Eziden reisen eigens nach Lalish für die Feier zurück.
Deutschland
Die größte ezidische Diaspora außerhalb des Iraks — mit ca. 100.000–200.000 Angehörigen.
Armenien
Eine der ältesten Diaspora-Gemeinden mit lebendiger Festtradition.
Russland
Gemeinsam mit Georgien (~20.000) Teil der größeren kaukasischen ezidischen Welt.
Wachsende Anerkennung
Interreligiös geteilte Feier
2022 wurden die Feierlichkeiten erstmals in Rojava (Nord- und Ostsyrien) auf Nicht-Eziden ausgeweitet — Kurden, Araber, Suryoye und Assyrer — was eine wachsende interreligiöse Anerkennung widerspiegelt. Politische Führer in der Region Kurdistan-Irak und internationale Organisationen wie Yazda geben formelle Erklärungen zur Anerkennung des Anlasses ab.
Herausforderungen der Kulturbewahrung
Viele religiöse Führer und Qewals wurden während der Genozide getötet oder vertrieben. Mündliche Überlieferungsketten wurden unterbrochen. Mindestens 1.300 ezidische Kinder werden seit 2014 vermisst. Organisationen wie die International Yezidi Theological Academy und das Institut für Ezidische Wissenschaften arbeiten daran, das Überleben der Traditionen zu sichern.
Wissen bewahren — Zukunft gestalten
Çarşema serê Nîsanê erinnert daran, dass aus dem Ursprung immer wieder Neues entsteht. Helfen Sie mit, das Wissen der Eziden für kommende Generationen zu sichern.